Was die Arbeit mit Sterbenden mich über gute Kommunikation gelehrt hat

– und über das Leben

Wenn Menschen sterben, sprechen sie selten über Dinge.
Sie sprechen über Beziehungen. Über verpasste Momente. Über Gefühle, die unausgesprochen blieben.

Und genau dort – in diesem Raum zwischen Worten und Wahrhaftigkeit – beginnt echte Kommunikation.

Die Kraft der Stille

In meiner Initiative „Superhelden fliegen vor“ begleite ich Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Ich habe dort etwas gelernt, das keine Kommunikationsstrategie, kein Kampagnenbriefing je vermitteln kann: Manchmal ist das Wichtigste nicht, was wir sagen oder dass wir überhaupt etwas sagen – sondern dass wir so kommunizieren, dass wir verstanden werden. Dass das was wir kommunizieren möchten ankommt. Und manchmal funktioniert das am besten ohne Worte.

Stille ist keine Leere. Sie ist ein Raum, in dem kommuniziert werden kann.

Worte, die tragen – nicht täuschen

Sterbende Menschen wählen ihre Worte nicht mit besonderer Bedacht. Sterbende sind eh keine besondere Spezies, weiser oder erleuchtet. Sie sind normale Menschen, so wie wir. Wir alle sind Sterbende. Allerdings verändert sich während des Sterbens oftmals die Wahrnehmung, sie wird geschärft und viele Sterbende lassen das Unwesentliche weg, da dafür keine Zeit mehr bleibt. Jegliches Aufplustern, jegliches „Ich bin so geil“, das hat auf einmal keinen Raum mehr. Diese Haltung wünsche ich mir auch öfter in der Unternehmenskommunikation.

  • Keine Worthülsen.
  • Keine Floskeln.
  • Kein „Corporate-Sprech“.

Sondern klare, ehrliche Sprache. Worte, die etwas bedeuten.

Empathie ist keine Schwäche – sondern Kompetenz

Wer mit Empathie kommuniziert, schafft Verbindung.
Ich habe oft erlebt, wie ein einziges ehrlich gemeintes „Wie geht es dir wirklich?“ Türen öffnet, die jahrelang verschlossen waren.

In der Führung. In der Markenkommunikation. In der Veränderung.
Empathie ist kein Soft Skill – sie ist das Fundament für Vertrauen, Dialog und Wirkung.

Was wir fürs Leben – und fürs Kommunizieren lernen können

  1. Hinhören – nicht sofort antworten.
  2. Menschen sehen – nicht nur Zielgruppen.
  3. Fragen stellen – nicht nur Statements senden.
  4. Sinn suchen – nicht nur Schlagzeilen.

Haltung macht den Unterschied

Die letzten Gespräche im Leben eines Menschen lehren uns viel – über Nähe, über Bedeutung und über das, was wirklich zählt.
Haltung. Wenn wir verstanden werden wollen, müssen wir mit einer wohlwollenden Haltung kommunizieren. In der Kommunikation mit Sterbenden fällt das leichter, da sie für uns keinerlei Gefahr mehr darstellen. Weder als Konkurrent im Job, noch als Diskussionspartner oder Gegenspieler. Wenn wir diese Haltung in unsere Kommunikation bereits zu Lebzeiten integrieren, im Job, in unseren Beziehungen, wird sie nicht nur besser. Erst dann macht Kommunikation überhaupt Sinn.

Denn am Ende zählt nicht, was wir gesagt haben.
Sondern ob wir verstanden wurden.



Autor:

Senior Communications Manager, Creative Director und Speaker Mirko Klos

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert